Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 

Bertolt Brechts Werk zeichnet sich durch eine besondere Affinität zu historischen Formen und Stoffen aus. Mehrfach selbst als »Chroniken« bezeichnet, berichten seine Texte oftmals geschichtlich Verbürgtes und schöpfen aus der literaturgeschichtlichen Tradition. Dabei experimentiert Brecht mit Formen der Frühen Neuzeit und macht sie für seine eigene Poetik fruchtbar: Schultheater klingt in den Lehrstücken nach und in den Geschichten von Herrn Keuner oder den Flüchtlingsgesprächen erscheinen alte Kleinformen wie Apophthegma und Gelehrtendialog in neuem Gewand. Auch die Lyrik belegt diese Traditionslinien – mit Sonetten (Entdeckungen an einer jungen Frau), Kantaten (Koloman Wallisch Kantate) und Liedern (PsalmenHitler-Choräle). Vormoderne Figuren wie Grimmelshausens Courasche (Mutter Courage und ihre Kinder) oder Til Eulenspiegel (Eulenspiegel überlebt den Krieg) werden bei Brecht wieder zu Protagonisten und in seinen Kalendergeschichten (»Augsburger Kreidekreis«, »Der Mantel des Ketzers«, »Ulm 1592«) wird der Dreißigjährige Krieg immer wieder zum gegenwartspiegelnden Schauplatz. Der Workshop verfolgt das Ziel, Brechts vielfältige Rückgriffe auf frühneuzeitliche Traditionen zu diskutieren:

  • Welche frühneuzeitlichen Formen, Stoffe und Figuren verarbeitet Brecht in seinem Werk, und wie transformiert er sie?
  • Welche poetologischen und ästhetischen Funktionen erfüllt die Rezeption der der Frühen Neuzeit bei Brecht (z. B. im Rahmen seiner Verfremdungspoetik)?
  • Wie verhält sich Brechts produktiver Umgang mit frühneuzeitlichen Traditionen zu seiner Rezeption anderer Epochen (Antike, Moderne)?
  • Wie lassen sich die intermedialen Aspekte von Brechts Rückgriffe auf frühneuzeitliche Formen (Theater, Oper, Musik, Lyrik) untersuchen?

Donnerstag, 26. Februar 2026

14:00–14:30 Uhr – Anita Martin (Bern) & Rebecca Hirt (Karlsruhe): Begrüßung & Vorstellungsrunde

Moderation: Sylvia Brockstieger (Heidelberg)

14:30–15:15 Uhr – Zoe Zobrist (Bern): Legenden-Demontage: Brechts Legende der Dirne Evelyn Roe (1917) und Horst-Wessel-Legende (ca. 1935)

15:15–16:00 Uhr – Pauline Solvi (München): Brechts Sentenzen. Die vormoderne Satzform und ihre dramatische Funktion in Leben des Galilei und Mutter Courage

16:00–16:30 Uhr Kaffeepause

Moderation: Marisa Irawan (Karlsruhe)

16:30–17:15 Uhr – René Waßmer (Tübingen): Gespräch und Gesellschaft. Bertolt Brechts Flüchtlingsgespräche (1940/41) und die Dialogliteratur der Vormoderne 

17:15–18:00 Uhr – Rebecca Hirt (Karlsruhe): Ulm 1592 und andere Erfindungen. Historische Dislokation in Brechts Kalendergeschichten

Freitag, 27. Februar 2026

Moderation: Astrid Dröse (Karlsruhe)

10:00–10:45 Uhr – Lara Tarbuk (Dresden): Brecht, Karl der Kühne und die Schaubude

10:45–11:15 Uhr Kaffeepause

11:15–12:00 Uhr – Anita Martin (Bern): Mitspielen. Brechts ›volkstümliche‹ Gebrauchskunst als Theatertradition und/oder Theaterreform

12:00–12:30 Uhr Abschlussdiskussion

Interessierte sind herzlich willkommen; um Anmeldung wird gebeten.

Contact Information

Dr. Rebecca Hirt-Meyering (Karlsruher Institut für Technologie), rebecca.hirt@kit.edu

Dr. des. Anita Martin (Universität Bern), anita.martin@unibe.ch

Contact Email: anita.martin@unibe.ch

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